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Allgemeine Verarbeitungs - und
Sicherheitshinweise zu PU-Bauteilen
Polyurethan
PU (Kurzbezeichnung nach DIN: PUR) ist
ein Zweikomponenten-Kunststoff, der meist kalt vergossen wird und zum
Aushärten einem Wärmeprozess unterzogen werden kann. PU kann je nach
Zusammensetzung hart und spröde, aber auch weich und elastisch sein.
PU zählt als organische Verbindung zu den Duroplasten.
PU entsteht durch chemische Reaktion unter anderem mit Polyisocyanat und
Polyester.
PU ist im vergossenen, ausgehärteten Zustand (Lieferzustand) als völlig
unbedenklich in Bezug auf eine mögliche Toxizität einzustufen und
besitzt in der Regel keine gesundheitsschädlichen Eigenschaften.
Trotzdem empfehlen wir einige Maßnahmen, die ein Bastler im Umgang mit
Polyurethan unbedingt beachten sollte.
Allgemeine Handlingstipps (H)
Erforderliche Bearbeitungsmaßnahmen (B)
Sinnvolle Arbeitsschutzmaßnahmen
(S)
(H)
Zunächst sollte
jeder Bausatz unmittelbar nach dem Kauf auf die Vollständigkeit der
enthaltenen Bauteile hin überprüft werden. Dies geschieht, in dem man
alle Bauteile so auf einer Arbeitsfläche auslegt, wie dies aus dem
Übersichtsbild der Bauanleitung ersichtlich ist. Alle Teile sollten
während des Baus in der Ersatzteilbox = Schachtelboden aufbewahrt
werden.
(B)
Jedes
einzelne Bauteil aus PU für den Zusammenbau vorbereiten und reinigen.
Durch das Abgießen in Silikonformen können Gießreste entstehen, die an
den Teilen hängen. Dieses überschüssige Material muss vor dem Lackieren
und Zusammenbauen des Modells mit einer feiner Feile und feinem
Schmirgelpapier entfernt werden.
Feine Häutchen in den Fensterbereichen lassen sich sehr leicht auch ohne
Werkzeug entfernen.
Im Einzelfall kann es erforderlich sein, überstehende Teile auch
abzusägen.
Absägen ist dem Abzwicken mit einem Seitenschneider immer vor zu ziehen.
Zuletzt werden die bearbeiteten Stellen mit feinem Schleifpapier
verschliffen.
Schleifspuren lassen sich mit einem Glasfaserpinsel
(Schreibwarenfachhandel) versäubern.
(S)
Werden
Bauteile aus PU gesägt oder gefeilt, entstehen feine Stäube.
Es
muss unbedingt dafür gesorgt werden, dass diese PU Stäube nicht
eingeatmet werden.
Bitte im eigenen gesundheitlichen Interesse einen
Mund-/Nasenschutzfiltermasken tragen. Bevorzugt sollte Säge- und
Schleifstaub noch während der Arbeit abgesaugt werden.
(H)
Vor dem
Lackieren sollte immer eine Passprobe der einzelnen Teile erfolgen.
Selten kann es vorkommen, dass Teile leicht verzogen oder Aufbauten
leicht bauchig geliefert werden. Da PU jedoch einen bedingten „Memori-Effekt“
hat, lassen sich die betreffenden Teile leicht unter heißem Wasser bei
einer Temperatur von ca. 60 Grad C ohne Werkzeug wieder gerade biegen.
Als sinnvoll hat es sich erwiesen, das betreffende Teil dann sofort mit
kaltem Wasser abzuschrecken, damit die so modifizierte Form beibehalten
bleibt.
(B)
Vor dem
Zusammenbau sollten alle Karosserieteile lackiert werden.
PU
ist ein verhältnismäßig (Vergleich zu Polystyrol) spröder Werkstoff, der
trotzdem eine ideale Oberfläche (seidig matt) für spätere Lackierungen
aufweist.
Vor jeder Lackierung müssen PU-Bauteile jedoch gereinigt werden, da
durch das Abformen in Silikonformen, möglicherweise ölige Rückstände auf
der Oberfläche verblieben sind.
Diese Reinigung kann mit Nitrolösung, mit Aceton oder einer nicht
rückfettenden Seifenlauge (neutrales Geschirr-Spülmittel) erfolgen.
Bitte keinen Silikonentferner verwenden. Dieser greift PU sehr schnell
an.
Wichtig ist, dass die PU-Bauteile einer Lösung, wie Aceton oder Nitro
niemals länger als 2 Minuten ausgesetzt werden. Längere Tauchbäder –
speziell in Aceton - verursachen eine chemische Veränderung, die das PU
noch spröder und brüchiger, im Einzelfall aber auch weicher werden
lässt. Zumindest wird seine Verwendbarkeit stark eingeschränkt.
(S)
Bei
Arbeiten mit Aceton sind geeignete Körperschutzmaßnahmen erforderlich,
da Aceton die Hautoberfläche schädigen kann. Die Anwendung von Aceton
muss fern vom Gesicht und offenen Wunden erfolgen. Falls es dennoch zu
einem Hautkontakt kommen sollte, die Haut mit einer Fettcreme eincremen.
Beim Auftreten von starken Hautrötungen, die länger als 24 Stunden
anhalten, bitte einen Arzt konsultieren. Verwendungshinweise des
Herstellers beachten.
(H)
PU-Bauteile
sollten immer zunächst hell grundiert werden. Dabei spielt es eine
untergeordnete Rolle, welche Art Farbe verwendet wird. Ganz wichtig ist
jedoch, auch die spätere Endlackierung mit der gleichen Farbart (z.B.
Kunstharzlack, Acryllack) auszuführen.
PU Bauteile sind mit allen handelsüblichen Farben lackierbar.
Großserienteile bitte bevorzugt mit Kunstharzfarben lackieren.
Vor dem Lackieren von Großserienteilen (Polystyrol) sollte immer erst
ein Farbtest auf der Innenseite eines Bauteils erfolgen, um die Wirkung
der Farbe auf das Teil kennen zu lernen. Bitte keine nitrohaltigen Lacke
verwenden.
Es kann sowohl mit der Spraydose als auch mit der Spritzpistole lackiert
werden.
Wir empfehlen die Verwendung einer Spritzpistole, um alle
Oberflächendetails zu erhalten. Faustregel: Man lackiert am saubersten
mit viel Luft und wenig Farbe.
Pinsellackierungen sind für großflächige Bauteile nicht empfehlenswert.
In dünnen Schichten lackieren. Nie versuchen, Farbdeckung mit einer
Lackierschicht zu erzielen.
Ausreichende Trockenzeiten zwischen den einzelnen Lackiervorgängen
berücksichtigen.
Fehlerhaft lackierte PU-Bauteile lassen sich mit Aceton leicht reinigen.
(S)
Die
Hersteller seitigen Hinweise zum Umgang mit Aceton sind unbedingt zu
beachten.
Ebenso sind die Hinweise der Farbenhersteller sind zu beachten.
Unbedingt auf gute Raumbelüftung bei der Lackierung achten.
Lackierungen im Freien dürfen nie bei Temperaturen unter 15 Grad C
ausgeführt werden.
(H)
PU Teile können mit Sekundenklebern (chemisch härtender Klebstoff =
Polymerisations-klebstoff) verklebt werden. Sekundenkleber stellen eine
feste Klebeverbindung her.
Größere Klebestellen (Löcher) können durch Auffüllen mit
Aluminiumoxidpulver, PU-Schleifstaub aber auch mit Mehl fest
verschlossen werden.
Da PU ein organischer Stoff ist, wird eine Klebeverbindung durch
Sekundenkleber verhältnismäßig schnell erzeugt. Die Anwesenheit von
Wasser beschleunigt den Klebevorgang.
Vor jeder Verklebung sollte die Klebestelle frei von Lack sein.
Zum Verkleben von Bauteilen nur sehr wenig Klebstoff verwenden.
Klebstoff nur mit Hilfe einer Messerspitze oder eines Spatels auf das zu
klebende Objekt aufbringen.
Die Teile müssen vor der Verklebung genau positioniert sein.
Eine nachträgliche Korrektur der zu verklebenden Teile ist nicht
möglich.
Verklebungen sollten immer auf der nicht sichtbaren Seite der Bauteile
erfolgen.
Vorsicht ist geboten bei allen transparenten Bauteilen.
Verglasungsteile jeder Art werden bei Kontakt mit Sekundenkeber milchig.
Polystyrolteile können beim Kontakt mit Sekundenklebern brüchig werden.
Auch an lackierten Teilen können bei höherer Luftfeuchte weiße Schatten
entstehen.
Daher sollte die Klebestelle auch nicht angehaucht werden. Der feuchte
Hauch des Atems führt zwar zu einer schnelleren Klebebindung, doch auch
zur Bildung von Klebstoffdämpfen.
Als eine Alternative zu Sekundenklebern sind Kontaktkleber zu sehen, die
jedoch eine dickere Klebeschicht verursachen können. Vorteil der meisten
Kontaktkleber ist, dass die Verklebung zumeist rückstandslos wieder
lösbar ist und vor der endgültigen Verklebung Korrekturen möglich sind.
Nachteil: Lange Aushärtezeit.
Kontaktkleber eignen sich nahezu uneingeschränkt zum Kleben von
Verglasungsteilen.
Eine weitere Alternative stellen Zweikomponenten-Klebstoffe dar. Auch
diese lassen kleinere Korrekturen für kurze Zeit zu, verkleben die Teile
jedoch endfest. Die Klebeschicht trägt verhältnismäßig stark auf. Bei zu
dünner Klebeschicht kommt keine Verklebung zu Stande.
Vorsicht ist bei der Verklebung von Verglasungsteilen geboten. Sie
können milchig werden.
Haftkleber sind nur dazu geeignet, eine Haftung eines Teils herbei zu
führen. Diese eignen sich zur Fixierung von Verglasungsteilen unter der
Voraussetzung, dass diese dauerhaft keiner mechanischen Beanspruchung
ausgesetzt sind. Haftkleber sind meist wasserlöslich.
Die verschiedenen Plastikkleber sind für die Verklebung von PU-Bauteilen
völlig ungeeignet.
(S)
Bei der
Benutzung von Sekundenklebern entstehen meist stechend riechende Dämpfe.
Diese Dämpfe können gesundheitsschädlich sein und sollten daher nicht
eingeatmet werden.
Für ausreichend gute Raumbelüftung während des Klebevorganges ist stets
zu sorgen.
Schon kleinste Spritzer des Sekundenklebers können die Haut und
Augenlider so schnell verkleben, dass man keine Zeit mehr für eine
sinnvolle Reaktion hat.
Als Erste Maßnahme bei Hautverklebungen empfiehl sich warmes
Seifenwasser.
An der Haut fest geklebte Teile lassen sich oft mit stumpfen
Gegenständen lösen.
Der Klebstoff selbst löst sich mit der Zeit langsam von alleine aufgrund
der natürlichen Rückfettung der Haut. Hierbei ist Geduld angesagt. Die
Verwendung von Aceton zur Lösung des Klebstoffs von der Haut ist nicht
zu empfehlen, da Aceton eine entfettende Wirkung hat.
Bei verklebten Augenlidern sofort einen Arzt aufsuchen.
Cyanacrylatklebstoffe können bei unmittelbarem Kontakt mit den Augen
schwere Schäden anrichten.
Amn.: Um
Augenschäden zu verhindern, sollte der Kopf immer genügend Abstand zum
zu klebenden Objekt haben. Man sollte bei den Arbeiten eine geeignete
Schutzbrille tragen.
Bei entstehender Übelkeit nach der Verwendung von Farben, Klebstoffen
und/oder Lösungsmitteln den Raum unverzüglich gut lüften.
(H)
In äußerst seltenen Fällen kann es vorkommen, dass sich
ein PU-Bauteil nicht lackieren lässt und auch nach wiederholtem Reinigen
mit Aceton keine Farbe annimmt. Man kann dann versuchen, dieses Teil
zunächst gut in warmem Wasser zu erwärmen, dann zu trocknen und danach
mit einer matten Grundfarbe oder einem Filler hauch dünn vor zu
lackieren.
Es genügt, wenn zunächst ein ganz hauch dünner Farbauftrag vorhanden
ist.
Auch die Farbe selbst sollte gut temperiert (>35 Grad C) sein.
Dieser Farbauftrag stellt die Basis für die Grundierung dar.
Wenn sich auch danach das betreffende Teil nicht lackieren lässt, liegt
vermutlich ein Produktionsfehler vor. Senden Sie dann das betreffende
Teil kostenfrei an uns. Wir werden Ihnen schnellst möglich Ersatz
zukommen lassen.
Zur Beachtung:
RMM übernimmt keinerlei Haftungsansprüche für Schäden und Folgeschäden,
die sich aus Fehlern im Umgang mit Klebstoffen, Farben und
Lösungsmitteln jeglicher Art sowie dem nicht sachgerechten Umgang mit
Werkzeugen ableiten lassen. Auch eine Haftung für jegliche
gesundheitliche Schäden und Folgeschäden, die auf Nichtbeachten der
Sicherheitsratschläge bzw. der Herstellerinformationen resultieren,
besteht nicht. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass unsere
Modellbausätze nicht für Modellbauer unter 14 Jahren geeignet sind. Ein
sachgerechter Umgang mit den einzelnen Bauteilen sowie ein sachkundiger
Umgang mit den erforderlichen Werkzeugen wird von uns vorausgesetzt.
Die gemachten Angaben
basieren auf Erfahrungswerten mit mehreren Produkten. Fehler in unseren
Angaben sowie Änderungen in der Zusammensetzung und daraus resultierende
veränderte Handhabungen einzelner Produkte bleiben vorbehalten und sind
durchaus möglich.
Kontaktadresse:
Reinhard Merlau Modellbau e.K.,
Dorfstraße 2d, D-63826 Geiselbach-Omersbach
Tel. 06024-80206, E-Mail: reinhard@merlau.de
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